Kanton Thurgau setzt Pariser Klimaabkommen um

Mit einem Medienanlass wurde in der Thurgauer Gemeinde Tobel die mit dem europäischen Solarpreis 2018 ausgezeichnete CO2-freie Mehrfamilienhaus-Über­­bauung der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer dabei betonte, fördere der Kanton effiziente PlueEnergieGebäude im Interesse des Klimas.

In der Thurgauer Gemeinde Tobel-Tägerschen wurde der Beweis angetreten, dass sich Ökologie in der Architektur rechnet. Denn der PlusEnergieBau (PEB), der mit dem Europäischen Solarpreis 2018 sowie dem Migrosbank Sondersolarpreis für MFH ausgezeichnet wurde, konnte so günstig realisiert werden, dass die Mietpreise der 32 Wohnungen um 20 Prozent unter dem quartierüblichen Mietzins liegen. Zudem liefert die Liegenschaft 57 Prozent mehr Strom, als die Bewohnerinnen und Bewohner selbst verbrauchen. Mit dem Solarstromüberschuss können 54 Elektroautos jährlich 12’000 km CO2-frei fahren.

Gestalterische Integration

Der Architekt und SIA-Präsident Stefan Cadosch ist überzeugt davon, dass die PEB-Bauten eine Schlüsselrolle für das Pariser Klimaabkommen spielen: „PlusEnergieBauwerke werden in naher Zukunft der Standard sein, saubere Energie die Regel. Unabdingbare Voraussetzung dazu ist aber eine gute gestalterische Integration, wie das konkrete Beispiel Tobel zeigt“, so Cadosch. Wie die Nationalrätin Edith Graf-Litscher, (SP/Frauenfeld) an der Medienpräsentation betonte, verfüge der Kanton Thurgau über eines der besten kantonalen Energiegesetze, „weil es auf den Gebäudepark als grösste ‚Energieverschwendungs- und CO2-Emissionsmaschine‘ der Schweiz fokussiert“. Diese PEB-Überbauung erfülle den Minergie-P-Baustandard und demonstriere exemplarisch, wie die vom Bundesrat bereits 2010 beanstandeten 80 Prozent Energieverluste im Gebäudebereich elegant eliminiert werden können.

Effiziente Fördermassnahme des Kantons Thurgau

Regierungsrat Walter Schönholzer erläutert die sehr wirksame kantonale Minergie-P-Förderung. Die reduzierten Energieverluste und CO2-Emissionen sind tatsächlich massiv; obwohl die Förderung bezogen auf eine vergleichbare Durchschnittswohnung von rund CHF 450'000 bloss etwa 2,5 Prozent ausmacht. „Bezüglich Erhöhung der Energieeffizienz und Reduktion der CO2-Emisionen stehen die Kantone in der Pflicht“ betont der Regierungsrat und ergänzt: „Die PlusEnergie-Überbauung zeigt den Weg: Fossilfreie Heizung mit Umweltwärme und auf den Gebäuden soviel Strom produzieren, damit zusätzlich viele Autos fahren können.“ Nebst den „Biogasanlagen erzeugen einheimische Landwirtschaftsbetriebe fast eine halbe Milliarde kWh/a“ betont Nationalrat und Meisterlandwirt Markus Hausammann (SVP/TG); dieser Strom hilft auch bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.    

Preisgünstige Alternative

Bei einem Rundgang durch die Liegenschaft konnten sich die Medienvertreterinnen und -vertreter vom energetischen und architektonischen Konzept überzeugen, das in seiner Art weltweit einmalig ist: „Wer die Vorschläge zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens analysiert, findet keine vergleichbaren Massnahmen, welche eine CO2-freie Energieversorgung für den Gebäude- und den Verkehrssektor so preisgünstig gewährleistet“, sagte Gallus Cadonau, Geschäftsführer der Solaragentur Schweiz, welche gemeinsam mit dem Kanton Thurgau zu diesem Medienanlass geladen hatte (hier weitere Infos zur PEB-Überbauung).